Aus: Der Infanterist  Heft B Schützendienst, Verlag "Offene Worte", Berlin 1928

Ausbildung mit Gewehr (Karabiner)

Stellung.

Kommando: Ausführung: Zu beachten:
16.
Stellung mit "Gewehr ab"

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Gewehr steht senkrecht, Abzugsbügel nach vorn, kolben dicht am rechten Fuß, Kolbenspitze mit Fußspitze auf gleicher Höhe. Die Ellenbogen werden leicht nach vorn gedrückt. Rechter Arm ist soweit ausgestreckt, daß beide Ellenbogen sich in gleicher Höhe befinden. Rechte Hand umfaßt das Gewehr, Daumen hinter dem Lauf oder dem Handschutz (je nach Größe des Mannes), die anderen Finger liegen leicht gekrümmt, aber geschlossen, auf dem Gewehr. Hauptfehler sind:

Gewehr nicht senkrecht. Abzugsbügel nach einer Seite. Kolben nicht am Fuß. Ellenbogen nicht in gleicher Höhe. Rechte Hand falsch am Gewehr, Linke Hand nicht flach an der Hosennaht. Gewehrriemen nicht straff genug. Körpergewicht anstatt gleichmäßig auf beiden Beinen zum Teil auf dem Gewehr.

17.  "Knien !" Du setzt den linken Fuß etwa einen Schritt vor, läßt Dich auf das rechte Knie nieder und rührst Dich. Gewehr wird rechts vorwärts des rechten Knies senkrecht hingestellt und mit der rechten Hand am Handschutz gehalten. Linke Hand wird auf linkes Knie gelegt. Kolben nicht aufstoßen beim Knien.
  "Auf !" Du drückst Dich mit linker Hand vom Knie ab, richtest Dich schnell auf, ziehst den rechten Fuß an linken heran und rührst Dich. Gewehr wird neben Fußspitze gestellt. Nach vorn, nicht nach hinten aufstehen!
Beim Aufstehen mit der linken Hand abdrücken, nicht mit Gewehr.
18.
"Hinlegen !"

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Zunächst Knien, dann Gewehr mit linker Hand im Schwerpunkt, Mündung etwas angehoben, Oberkörper nach vorn, rechte Hand nach vorn strecken und sich vorwärts flach auf den Boden legen. Hierbei dient zunächst linker Ellenbogen als Stützpunkt des Körpers. Alle Bewegungen fließen rasch ineinander über.

Gewehr wird zwischen Ober und Unterring und links gedrehtem Lauf auf linken Unterarm gelegt, doch darf keinesfalls Mündung Erde berühren. Kopf ist etwas gehoben, Blick nach vorn gerichtet. Ruhen!

Es kommt auf rasche Bewegung an. Gewehr darf nicht beschädigt oder beschmutzt werden, daher Mündung anheben beim Hinlegen!

Beine breit, Hacken nach unten gedrückt.

  "Auf !" Du legst Gewehr in linke Hand, Mündung etwas angehoben, stützt Dich auf rechte Hand und ziehst zugleich rechtes Bein möglichst nahe an den Leib, ohne dabei Oberkörper vom Boden zu heben. Dann drückst Du Dich mit rechter Hand vom Boden ab, schnellst in die Höhe, setzt linke Fuß vor und ziehst rechten heran. Gleichzeitig erfaßt recht Hand Gewehr und stellt es neben rechte Fußspitze. Du rührst Dich. Nach vorn aufstehen!

In der Abteilung sofort ausrichten, nicht sprechen. Linken Fuß weit vorsetzen.

Laden - Entladen

19.   Laden und Sichern geschieht im Rühren. Die einzelnen Bewegungen flogen sich schnell, zwanglos und ohne Übereile.
20. "Laden und Sichern !" Der stehende oder kniende Mann öffnet eine Patronentasche, nimmt Gewehr schräg vor die Brust, Mündung hoch links, Daumen und Zeigefinger rechter Hand erfassen Kammerknopf, zweites Glied des Daumens über Stängel, drehen Kammer nach links und führen sie rückwärts.
Rechte Hand entnimmt der Patronentasche einen Ladestreifen. Dieser wird beim Einsetzen in den Ausschnitt der Hülsenbrücke etwas nach hingen geneigt. Daumen drückt mit kurzem Ruck, Dicht am Ladestreifen entlang, auf oberste Patrone, bis sie ganz unter rechte Hülsenwand getreten ist und fährt dann auf oberster Patrone mit Daumen bis zur Geschoßspitze entlang. Rechte Hand ergreift Kammerknopf wie beim Öffnen, schiebt Schloss gegen Lauf vor und drehen Kammer in einem Zug nach rechts, Daumen und Zeigefinger rechter Hand erfassen Sicherungsflügel und drehen ihn rechts herum. Gewehr wird in frühere Lage zurückgebracht, Patronetasche geschlossen. In der Bewegung wird entsprechend geladen und gesichert.
Sicherungsflügel stets ganz herumlegen. Wer zu sicher vergißt, gefährdet Kameraden und macht sich strafbar. Unvorschriftsmäßiges Einführen des Ladestreifens und der Patronen führt zu Ladehemmungen.

Auch beim Laden einzelner Patronen müssen diese zunächst vollständig in den Kasten gedrückt werden.

Im Liegen in der bequemsten Lage, ohne sich aufzurichten, laden und sichern. Nach Beendigung Gewehr wieder auf linken Unterarm.

Geschlossene Abteilungen dürfen im Liegen nicht laden und sichern.

Ladehemmungen selbst beseitigen, damit DU ihre Entstehung kennen lernst.

21. "Entladen !" Ausführung erfolgt im Rühren und nur im Stehen. Gewehr wird in die Lage wie beim Laden gebracht. Linke Hand gleitet soweit zurück, daß Daumen links, vier Finger rechts neben Patroneneinlage liegen. Geöffnetes Schloss wird langsam zurückgezogen und Patronen mit rechter Hand aus Patroneneinlage herausgenommen. Sie werden einzelnen entnommen und in Patronentasche gesteckt. Zum Entladen der im Kasten befindlichen Patronen wird wird Kammer jedesmal vor- und vollständig zurückgeführt.

Nach Entladen wird Abzug zurückgezogen, Gewehr mit linker Hand geschlossen und in frühere Lage gebracht.

Bewegung genau vorschriftsmäßig ausführen, sonst Ladehemmung. Ladestreifen aufnehmen erst auf Befehl! Abzug mit Rechter Hand zurückziehen, mit linker Hand Kammer schließen.

Griffe

Bei den Griffen dürfen sich nur Arme und Hände bewegen, der übrige Körper bleibt in gerader und fester Haltung. Schlagartiges Zufassen, um die Griffe hörbar zu machen, ist nicht gestattet, auch darf der Kolben nicht aufgestoßen werden.

Die einzelnen Bewegungen der Griffe werden kurz und bestimmt, aber leicht ausgeführt und folgen sich ohne Übereilung. Das Gewehr darf niemals mit beiden Händen gleichzeitig aufgefangen werden, sondern die Hände folgen einander in ihrer Tätigkeit.

Nur für Gewehr

22..
"Das Gewehr - über !"
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Rechte Hand hebt Gewehr und bringt es senkrecht vor die Mitte des Leibes, Lauf nach rechts, Unterring in Kragenhöhe. Linke Hand greift dicht unter rechte. Rechte Hand umfaßt Hülse etwas oberhalb des Kammerknopfes. Daumen liegt liegt ausgestreckt am Schaft. Während rechte Hand Gewehr, Lauf nach vorn drehend, soweit hebt, als nötig ist um es auf die linke Schulter zu schieben, umfaßt linke Hand Kolben derart, daß Kappennase zwischen Daumen und Zeigefinger liegt und Handballen, sowie Fingerspitzen am flachen Teil des Kolbens angedrückt sind.
Gewehr liegt gleichlaufend mit Knopfreihe; Kammerknopf befindet sich etwa handbreit unter Kragen, Kolben dicht vor linker Patronentasche. Linker Unterarm liegt leicht an Patronentasche. Rechter Arm geht in Lage der Grundstellung.
Hauptfehler sind:

Gewehr beim Hochbringen nicht senkrecht vor der Mitte des Leibes. Auflegen des Gewehres, anstatt einschieben. Bewegen des Oberkörpers und Kopfes. Schlappes Herunternehmen des rechten Armes. Schlechte Gewehrlage nach dem Griff.

23. 
"Gewehr - ab !"
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Linke Hand zieht Kolben, ihn etwas einwärts drehend, nach linken Schenkel; rechte Hand umfaßt Gewehr in Höhe der Schulter, Ellenbogen leicht abwärts gedrückt. Rechte Hand bringt Gewehr in senkrechte Stellung um Leib herum, dreht es leicht nach außen und läßt es etwas durchschießen, wenn Deine Größe dies nötig macht. Linker Arm geht schnell in Lage der Grundstellung. Kolben wird an rechte Fußspitze herangebracht. Kolben nicht auf Erdboden aufstoßen! Gewehr beim Herumführen nicht schlenkern lassen.
24.
"Achtung ! Präsentiert das - Gewehr !"
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Linke Hand zieht Gewehr in mäßigem Bogen rechts drehend vor linke Körperhälfte, so daß Du mit linkem Auge noch rechts vom Gewehr vorbeisehen kannst. Rechte Hand umfaßt gleichzeitig Kolbenhals. Daumen ist dem Leibe zugekehrt. Linke Hand faßt soweit nach oben, daß Spitze des Daumens, der ausgestreckt längs des Visiers liegt, mit dessen vorderem Ende abschneidet, und dreht in Gemeinschaft mit rechter Hand Lauf dem Leibe zu; vier Finger echter Hand werden ausgestreckt dicht unter Bügel auf Kolbenhals gelegt, Daumen unter Schlößchen. Gewehr wird hierbei mit Beiden Händen soweit heruntergezogen, daß Unterring in Kragenhöhe steht. Fühlung mit Gewehr an rechter vorderer Ecke der Patronentasche. Biegung des linken Armes beträgt fast einen rechten Winkel. Du folgst dem Vorgesetzten mit den Augen unter Drehung des Kopfes (bis auf 5 Schritt) nimmst dann den Kopf selbst geradeaus. Hauptfehler sind:

Schlechte Kopfhaltung. Schlappes Herunterreißen des Gewehres. Gewehr nach Griff nicht senkrecht. Rechte Hand nicht ausgestreckt.

Zu beachten: Auch bei längerem Stillstehen unter präsentiertem Gewehr nicht rühren. Dem vorgesetzten scharf ins Augesehen. Nicht mit Augen blinzeln oder umherschielen.

"Das Gewehr - über !"

Linke Hand dreht Gewehr mit Lauf nach rechts; rechte Hand umfaßt Hülse etwas oberhalb des Knopfes derart, daß Daumen ausgestreckt am Schaft leigt, und hebt Gewehr soweit als nötig ist, um es auf linke Schulter zu schieben. Mündung beim Griff nicht nach vorn fallen lassen!
25. "Gewehr umhängen !"
Geschieht auf Befehl und im Rühren. Riemen wird lang gezogen und Gewehr mit Mündung nach oben über die rechte Schulter, auf den Rücken (Kolben nach rechts unten), oder nach Anordnung des Führers um den Hals gehängt getragen. Rechte Hand in Höhe der rechten Brustwarze. Daumen lang unter Riemen. Im Marsch Gewehr am Riemen festhalten und senkrecht tragen.

Nur für Karabiner 98 a und 98 b.

26.
"Gewehr auf - Schulter !"
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Rechte Hand hebt Karabiner und bringt ihn, Lauf nach rechts, vor die Mitte des Leibes, Daumen lang, Unterring in Brusthöhe. Linke Hand greift dicht unter rechte, Daumen unter Riemen.
Rechte Hand umgreift und umfaßt Riemen, Handrücken über ihn, Daumen von untern umgreifend, und zieht ihn straff zur Brust.
Rechte Faust steht in Brusthöhe, Daumen Riemen von unten umfassend, und schwingt Karabiner so hinter rechte Schulter, wobei die linke hilft, daß Karabiner fest und senkrecht hängt, Mündung nach oben. Rechte Faust steht in Brusthöhe. Daumen unter Riemen, rechter Oberarm liegt leicht am Körper.
Linker Arm geht in Lage der Grundstellung.
Karabiner um Fußspitze herumführen. Karabiner senkrecht vor Körper beim Hochziehen.
27.
"Gewehr auf den Rücken !"
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Wird kommandiert, um Hände frei zu machen.
Ausführung nach Ziffer 25. Karabiner wird stets mit Koben nach rechts unten, zu Pferde nach links unten getragen.
28. "Gewehr - ab !" Rechte Hand schwingt Karabiner mit kurzem Schwung vor Mitte des Körpers, linke Hand fängt ihn auf, Unterring in Brusthöhe.
Rechte Hand läßt Riemen los, ergreift Karabiner am Unterring, bringt ihn senkrecht um den Leib herum, ihn leicht nach außen drehend, in die Stellung "Gewehr - ab!" und läßt ihn etwas durchschießen, wenn Deine Größe dies nötig macht. Linker Arm geht in Lage der Grundstellung. Kolben wird ohne Aufstoßen an rechte Fußspitze herangebracht.
Rechte Hand über linke fassen. Karabiner senkrecht um linke Körperhälfteherumführen und abwinkeln. Kolben schneidet mit rechter Fußspitze ab.

Aufpflanzen und Anortbringen des Seitengewehrs.

29. Das Aufpflanzen und Anortbringen kann in allen Körperlagen und während der Bewegung geschehen. Es wird auf Kommando, aber im Rühren ausgeführt. Nach dem Aufpflanzen wird das Gewehr wieder in die frühere Lage gebracht.
30. "Seitengewehr - pflanzt auf !" Stehst Du mit Gewehr ab oder kniest Du, so stellst du Gewehr vor Mitte des Leibes. Linke Hand, Handrücken dem Leibe zugekehrt, zieht Seitengewehr aus Scheide und pflanzt es auf, wobei es soweit nach unten gedrückt wird, bis Haltestift hörbar in die Rast des Seitengewehrhalters einspringt und Haltefeder vollständig in ihr Lager tritt. In der Bewegung und im Liegen pflanzst Du das Seitengewehr auf, wie es Dir am handlichsten ist. Vorsicht mit aufgepflanzten Seitengewehr. Zahlreiche Unglücksfälle sind aus Unvorsichtigkeit entstanden.
31. "Seitengewehr - an Ort !" Ausführung im Rühren und zwar in allen Körperlagen. Gewehr wird im Stehen und knien zunächst vor Mitte des Leibes gebracht. Rechte Hand löst durch Druck auf Federknopf das Seitengewehr. Linke hebt es gleichzeitig und steckt es in die Scheide.
32. Stellen des Visiers. Die linke Hand unterstützt das Gewehr im Schwerpunkt. Der linke Daumen drückt, während das Gewehr etwas nach dem Gesicht gehoben wird, gegen den Drücker des Visierschiebers unter Anheben der Visierklappe und stellt den Visierschieber auf die gewünschte Marke ein, wobei die Drückernasen in die Rasten der Visierklappe einschnappen müßen. Dann nimmt der Mann den Kopf hoch und bringt gleichzeitig das Gewehr in seine bisherige Lage. Im Liegen keine für den Gegner auffallenden Bewegungen.

Marsch und Lauf mit Gewehr

  1. Beim Marsch mit "Gewehr über" bleibt der linke Ellenbogen leicht angelegt, der rechte Arm bewegt sich ungezwungen im Schultergelenk.
    Zur Erleichterung kann "Gewehr auf die rechte Schulter !" kommandiert werden.
  2. Bei "Gewehr auf Schulter" und bei "umgehängtem Gewehr" wird im Gleichschritt und Exerziermarsch das Gewehr (Karabiner) senkrecht über die rechte Schulter gehängt getragen, Mündung nach oben; die rechte Faust steht in Brusthöhe, Daumen unter dem Riemen, der rechte Oberarm liegt lose am Körper. Der linke Arm bewegt sich beim Gleichschritt ungezwungen, wie es dem Marschtakt angemessen ist, bei Exerziermarsch wird er stillgehalten.
  3. Soll gehalten und dabei sofort gekniet (hingelegt) werden, so wird "Knien !" ("Hinlegen !") kommandiert. Die Ausführung erfolgt wie aus dem Stehen. Bei "Gewehr über !", "Gewehr auf Schulter !" und "umgehängten Gewehr" wird vorher ohne besonderes Kommando "Gewehr ab" genommen.
    Zu beschleunigten Antreten aus dem Knien (Liegen) kann "Ohne Tritt - Marsch !" kommandiert werden. Du erhebst Dich auf das Ankündigungskommando  und nimmst das "Gewehr über" oder "Gewehr auf Schulter".


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